Bericht vom Chemnitz-Marathon
5. Juli 2015

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Auf zum Chemnitz Marathon 2015. Am Freitag gings los, von Düsseldorf zuerst nach Leipzig wo ich bei einem guten Freund schlafen konnte, ehe ich Samstag früh weiter nach Chemnitz aufbrach. Mein 5. voller Marathon bereits in diesem Jahr, doch der Blick auf die Hitzewelle in Deutschland verhieß nichts Gutes. 38 Grad sollte es am Samstag werden - wie geht man nur mit den Temperaturen um. Eltern, Freundin und Freunde hatten mir alle von dem Lauf abgeraten und mich für verrückt erklärt. Vielleicht bin ich auch ein bisschen verrückt aber kneifen lag mir noch nie in der Natur. Vorher noch die Qual der Wahl: Neue Laufschuhe nehmen, in denen ich in den letzten Laufeinheiten immer wieder Blasen bekommen hatte, oder doch auf die alten Treter vertrauen, bei denen sich bereits jegliches Profil und Dämpfung im Nichts aufgelöst hatten - ich entschied mich für die alten Treter, sie hatten mich schließlich immer über die Ziellinie getragen.

Sehr angenehm, in Chemnitz ist das Parken in der Innenstadt am Wochenende überall kostenlos und so konnte ich am roten Turm in der Innenstadt parken - 3min Fußweg zum Start. Das Abholen der Startnummer verlief problemlos und so versuchte ich vor dem Start noch die letzten Minuten im Schatten zu verbringen. Der Start war, wie ich fast schon verantwortungslos fand, erst um 10 Uhr und so war klar, dass die Marathonläufer in der vollen Mittagshitze rennen mussten. Da wäre z.B. 8 Uhr deutlich angenehmer gewesen. Vor dem Start noch ein bekanntes Gesicht gesehen: Unser Oberbürgermeister Thomas Geissel war mit etwa 20 Angestellten der Stadt Düsseldorf am Start. Er lief allerdings nur die Halbmarathon Distanz.

Dann war es soweit. Den Startschuss gab Nico Ihle, Deutschlands schnellster Eisschnellläufer - ein wenig Ironie, wenn man auf die Temperaturen schaute. Los gings, es mussten vier Runden 10,5km absolviert werden. Die Runde führte von der Innenstadt zu einem größeren Park und wieder zurück. Schon nach den ersten Kilometern merkte ich, dass das Motto nur lauten kann 'vor allem gesund im Ziel anzukommen'. Hauptsache Finishen - Zeit egal. Kilometer 1 erreicht, das T-shirt war bereits klatschnass. Gab es im Park einige Bereiche im Schatten, war der Weg zwischen Park und Innenstadt auf offener Verkehrsstraße. 40 Grad von oben, 60 Grad von unten - der Asphalt schmolz fast.

Bei Kilometer 3 die erste Wasserstation - etwas zu weit weg vom Startpunkt wie ich im Laufe der späteren Runden feststellen musste. Sofort die Cap und Schwamm in das noch halbwegs lauwarme Wasser getaucht und weiter gings. Der Park war Gott sei Dank nicht mehr weit. Dort gab es genügend Schatten ehe es wieder zurück ging. Schon nach der ersten Runde merkte ich, dass die Hitze an mir zehrte. Ich musste das Tempo drosseln, wollte ich heute ins Ziel laufen. In der zweiten Runde waren bereits an der Wasserstation nur noch warme Getränke zu bekommen - da kam es gerade recht dass sich eine Gruppe mehrerer junger Leute im Schatten neben dem Bach platziert hatten und dort kaltes Wasser in Eimer hochbrachten, die sie dann über die Läufer kippen konnten. Hier nahm ich ab sofort immer meine 'Standarddusche'.

Halbzeit bei 21km. Wahnsinn - der Mann mit dem Hammer war schon dicht auf den Fersen. Weiter gings, teilweise auch schon mit kurzen Gehpausen. Der Körper schrie nach Flüssigkeit, aber die warme Brühen waren weder erfrischend noch lecker. Aber vor allem die Strecke zwischen Innenstadt und Park war eine Qual in der mittlerweile feurigen Mittagshitze - hier hätte man heute ohne Kohle ein paar Würstchen grillen können. Ich war überraschend platt - war es die Hitze oder war es doch die lange Fahrt und der wenige Schlaf vom Vortag? Vielleicht alles zusammen. Mittlerweile war auch der Krankenwagen im Dauereinsatz und musste immer wieder Läufer an der Strecke behandeln. Wieder lag eine Frau am Rand und bekam Kochsalzlösung von den Sanitätern, die nur noch über die Veranstaltung zu schimpfen wussten. Von 130 Marathonläufern kamen am Ende ca. 80 ins Ziel (plus mehrere hundert Halb- und 10km Läufern). Die gesamte dritte Runde lief ich zusammen mit Philipp, e inem Student aus Chemnitz. Wir konnten uns ein wenig gegenseitig unterstützen. Ich hab wirklich überlegt nach der dritten Runde aufzuhören; das wäre mein erster Marathonabbruch gewesen, aber der innere Durchhaltewillen und die Motivation von Philipp brachten mich auf die vierte Runde.

Mein Begleiter konnte dann irgendwann nur noch gehen, ich verabschiede mich bei ihm und lief mein Rennen alleine bis zum Ziel - der Arme würde für die letzte Runde noch etwa 2 Stunden brauchen. Auf der vierten Runde kam tatsächlich die Kraft wieder und ich lief die letzten 7km doch ganz ansehnlich zuende. Die Zeit an diesem Tag war völlige Nebensache, ich hatte es geschafft - die 'Gluthölle' von Chemnitz. Knapp unter 5 Stunden hatte ich mich braten lassen und Literweise Flüssigkeit verschwitzt. Der Lohn: eine schöne Holzmedaille für die Sammlung.

Medaille
Der verdiente Lohn

Glücklich und zufrieden liess ich mich anschließend in dem benachbarten Brunnen abkühlen und schaute die Siegerehrung. Ich verweilte noch etwas und machte mich dann anschließend auf den Rückweg - erst nach Leipzig und Sonntag dann zurück nach Düsseldorf.

Fazit:
Meine Vorbereitung für den Marathon des Sables (Sahara Marathon) im kommenden Jahr (vielleicht auch nicht :-) war erfolgreich.

 

Alex(ander)



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